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Sorge um Bayerns Abitur-Niveau
Kultusminister planen bundesweit vergleichbare Standards ab 2017 – Sechs Länder preschen vor
Von Elmar Schatz
Nordbayerischer Kurier —Samstag, 20. Oktober 2012

Ab 2017 soll das Abitur von der Nordsee bis zu den Alpen vergleichbar sein. Das haben die Kultusminister in Hamburg beschlossen. Um das bayerische Abitur-Niveau sorgt sich aber nun Peter Drescher, der oberfränkische Bezirksvorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes. Er befürchte, dass bei einem bundesweit vergleichbaren Abitur die EPA-Standards – die einheitlichen Prüfungsanforderungen für das Abitur – unterschritten werden könnten, sagt er dem Kurier.

Die Idee sei aber gut und in Ordnung, eine Harmonisierung des zerklüfteten Kultus-Hoheitsgebietes in Deutschland anzustreben, betont Drescher, der stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums Fränkische Schweiz in Ebermannstadt (Kreis Forchheim) ist.

„Die Qualität des bayerischen Abiturs bleibt erhalten“, beteuert Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU).

Drescher hebt hervor, vor allem müssten jetzt einmal die Lehrpläne bundesweit harmonisiert werden.

Sechs Länder wollen unterdessen bei der Vergleichbarkeit der Abiturstandards vorpreschen: Schon 2014 wollen Bayern, Sachsen, Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mit gemeinsamen Abiturprüfungen in den Kernfächern Mathematik, Deutsch und Englisch starten.

„2014 ist ein wenig bald“, wendet Drescher ein, und mahnt: „Kein Aktionismus, bitte.“ Notwendig sei ein profunder Vorlauf. Ein heißes Eisen sei zudem die Harmonisierung der Lehrerausbildung, die schon innerhalb Bayerns unterschiedlich sei. Um deutschlandweit gemeinsame Abiturstandards zu erreichen, sei noch eine Riesenaufgabe zu lösen. Er könne nur raten, mit der Basis zu reden, so Drescher.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Nordbayerischen Kuriers

Ein nationales Zentralabitur wie etwa in Frankreich – mit einheitlichen Prüfungen, die an einem Tag erfolgen – wollen die deutschen Kultusminister nicht. Dagegen sprechen schon die unterschiedlichen Ferienregelungen in 16 Bundesländern, auf die Wirtschaft und Tourismusgewerbe vehement pochen.

Lehrer sollen leichter von einem Bundesland zum anderen wechseln können. Dazu beschlossen die Kultusminister die gegenseitige Anerkennung der Lehramtsabschlüsse. Spätestens Ende 2014 sollen die Rechtsvorschriften in den Ländern angepasst sein.

Die vom Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) erarbeiteten Abitur-Bewertungskriterien beschreiben, was ein Schüler in den Kernfächern am Ende der gymnasialen Oberstufe können soll. In den Fremdsprachen soll verstärkt Wert auf das Sprechen und Hörverstehen gelegt werden, in Mathe soll die Stochastik (Wahrscheinlichkeitsrechnung) zentraler Bestandteil der Unterrichtsinhalte bleiben. Die bundesweite Einführung der Bildungsstandards ist für das Schuljahr 2014/2015 geplant – im Frühjahr 2017 können dann die ersten Oberstufenschüler gleich schwere Abituraufgaben schreiben.

„In Zeiten, da Unterschiede von Hundertstelnoten beim Abiturdurchschnitt entscheidend für die Zulassung zu Studiengängen sein können, kommt es mehr denn je auf eine echte Vergleichbarkeit von Abiturprüfungen in Deutschland an“, sagt der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger.

Die Arbeitgeber bemängeln, es fehle eine verbindliche Umsetzungsstrategie für alle Bundesländer. Vor übergroßer Stofffülle und Prüfungsdruck warnt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Das Lernumfeld, das wir als Lehrkräfte im Rahmen des achtjährigen Gymnasiums in Bayern vorfinden, entspricht hier nicht unseren Vorstellungen“, erklärt Andreas Hofmann, Vorsitzender der Fachgruppe Gymnasium der GEW Bayern.

Mit Material von dpa

Die Kindheit endet ein Jahr früher
Im Dauerlauf bis zur Reifeprüfung: Das achtjährige Gymnasium lässt kaum Luft für eigene Aktivitäten
Von Amelie Wollny und Udo Bartsch
Nordbayerischer Kurier — Montag, 23. Juli 2012

Schüler im achtjährigen Gymnasium haben lange Tage. Sie lernen in kürzerer Zeit mehr und haben das Reifezeugnis früher in der Hand als ihre Vorgänger. Doch die Eile hat ihren Preis.

Hanns-Karl Purucker, der Vorsitzende des Elternbeirats am Markgräfin- Wilhelmine-Gymnasium (MWG), hat seine Schulzeit in überwiegend guter Erinnerung. Er besuchte das Gymnasium Christian-Ernestinum (GCE) in Bayreuth. Nachmittags war er allerdings häufig am MWG, hatte dort Gesangsunterricht und sang im Chor und im Kammerchor mit, lernte Musik und Theater, die aufkommende Halbleitertechnik und Sprachen – all das interessierte ihn als Schüler. „Natürlich gab es auch viele Situationen, die sehr anstrengend waren“, sagt er. „Pauken mussten wir früher auch – ich speziell für Latein und Griechisch.“ Purucker rückblickend: „Das Gymnasium hatte auch damals einen hohen Leistungsanspruch.“ Und über die Auswirkungen des Drucks: „Wir hatten früher auch Angst vor Prüfungen.“ Einige Mitschüler nahmen sogar Medikamente, um sich zu beruhigen. „Es gibt keinen Grund, das zu romantisieren“, räumt er ein. Haben es die Schüler im G8 heute schwerer? „Ich halte es für wahrscheinlich“, so der Elternbeirat, dessen Sohn in die sechste Klasse geht. Der Lernstoff, den die Kinder bewältigen müssen, ist schon enorm, so Purucker. Er vergleicht die Situation der Schüler im G8 mit einem Gärtner, der meint, wenn er an den Pflanzen zieht, wachsen sie schneller. So kommen viele Jugendliche mit 17 Jahren erschöpft und atemlos aus der Schule und gönnen sich dann erst mal ein Jahr Pause, um sich zu orientieren und „nachzureifen“. Schade, dass dafür nicht mehr ausreichend Raum während der Schulzeit ist.

Die Bayreuther Familie Rupprecht erlebte beides: G8 und G9. Die große Tochter Anika besuchte am MWG noch das G9, ihre kleine Schwester Catarina zwei Jahre später das G8 am GCE. Das Fazit der Familie: Anika hatte ein schöneres Leben, Catarina hat für die Schule gelebt. Die mittlerweile 22jährige Anika erinnert sich noch gut an ihren Tagesablauf: „Früh in die Schule, mittags heim, da stand das Essen auf dem Tisch. Im Anschluss Hausaufgaben und danach, spätestens ab 16 Uhr, hatte ich frei.“ Jeden Mittwoch, Freitag und am Wochenende hatte die Lehramtsstudentin Zeit, mit ihren Freunden etwas zu unternehmen: Spieleabende, im Ponte was trinken gehen – einfach Zeit miteinander verbringen.

Diese Zeit fehlte ihrer kleinen Schwester. Catarina war in manchen Jahren drei- bis viermal pro Woche auch nachmittags in der Schule. In einem Schuljahr hatte sie jeden Montag und Dienstag elf Stunden am Stück, kam erst um 5 Uhr nach Hause. „Bis zum Abendessen habe ich mich dann ausgeruht“, erzählt die 19jährige. „Danach musste ich noch Hausaufgaben machen und lernen. Wenn die anderen sich einen schönen Abend gemacht haben, habe ich gelernt.“


Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Nordbayerischen Kuriers

Oft setzte sich die Jüngste mit ins Wohnzimmer: Sie lernend am Tisch, der Rest der Familie schaute fern oder unterhielt sich. Die Mutter der beiden, Martina Rupprecht, erinnert sich ungern an Catarinas Schulzeit: „Wenn ich um halb zwölf ins Bett bin, saß Cati meistens noch am Schreibtisch und hat gelernt.“ Selbst in der Kollegstufe saß ihre große Schwester selten länger am Schreibtisch als die Jüngere.

Catarinas G8-Laufbahn hat das ganze Familienleben mitbestimmt. Am Wochenende einen Ausflug machen, in den Ferien in den Urlaub fahren? „Einfach Kind sein und mal wegfahren – das ging nicht. Cati wollte nicht weg, das wurde ihr einfach zu viel. Sie hatte immer ein schlechtes Gewissen wegen der Schule“, erzählt Martina Rupprecht.

In der Freizeit musste Catarina auf einiges verzichten: Sie wurde für eine Basketballauswahlmannschaft nominiert, dafür hätte sie einmal in der Woche nach Bamberg gemusst. „Mit der Schule war das nicht zu vereinbaren“, so Martina Rupprecht. „Bei Anika wäre das problemlos gegangen.“

Besonders bitter: Begonnen hat Catarinas Schulkarriere im G9. „Zum Halbjahr hieß es dann plötzlich, dass die Klasse nun doch G8 ist“, ärgert sich die Mutter. Für Catarina bedeutete das, dass sie bis zu sechs Stunden mehr Unterricht pro Woche hatte als ihre Schwester.

Was Catarina besonders ärgert: „Ani konnte ihre starken Fächer in der Kollegstufe als Leistungskurse wählen und ihre schwachen zum Teil abwählen. Wir mussten alles machen – ein Profil konnten wir uns nicht zulegen.“ Die heutige Informatikstudentin hätte gerne mehr und vertiefter Mathematik, dafür weniger Sprachen gehabt.

„Wenn ich mich noch mal entscheiden müsste“, sagt Mutter Martina, „würde ich Cati glaube ich nicht ans Gymnasium, sondern an die Realschule geben. Sie war schon nah dran an einem Burn-out – das ist es wirklich nicht wert.“

Auch dem Basketballtrainer Simon Schleicher fällt am Nachmittag in der Halle auf, dass die Kinder aus dem G8 gestresst sind. „Außerdem können einige Kinder um 17 Uhr noch nicht zum Training, weil sie noch Unterricht haben, auch freitags – das gab es bei mir früher nicht.“ Bei den Gymnasiasten, so beobachtet der Student, schrumpfen die Trainingszeiten.

Dass beim G8 einiges auf der Strecke bleibt, sieht auch Hanns-Karl Purucker. Weil die Zeit begrenzt ist, komme oft – trotz besten Willens der Lehrer – die Persönlichkeitsbildung zu kurz. Am MWG können seiner Meinung nach die nachteiligen Effekte des G8 noch recht gut aufgefangen werden, da dort mit Mensa und Tagesheim mit betreuter Hausaufgabenzeit und Freizeitgestaltung ein für Eltern und Schüler attraktives Ganztagesangebot bereitsteht.


„Wie soll das gehen?“
Ratlosigkeit in Schulen nach jüngsten G8-Vorschlägen
Von Amelie Wollny
Nordbayerischer Kurier — Samstag, 21. Juli 2012

Zusatzjahr, Lehrplanstraffungen, neue Lehrer: Die jüngsten Reformvorschläge des Kultusministeriums für das achtstufige Gymnasium (G8) stoßen in Bayreuth auf große Skepsis. Die Schulleiter wurden über eventuelle Änderungen für das kommende Schuljahr noch nicht einmal offiziell informiert – bei ihnen herrscht kurz vor Ferienbeginn Ungewissheit.

Die Vorsitzende des Elternbeirats am Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium (MWG), Maria Lampl *), ist über den erneuten Reformwillen des Ministeriums zwar erfreut: „Das G8 ist änderungsbedürftig – ganz klar.“ In der praktischen Umsetzung sieht sie aber Probleme: „Das ist doch hirnlos. Im Juli wird das beschlossen, im September soll es umgesetzt werden – in so kurzer Zeit kann weder der Lehrplan sinnvoll geändert noch das Budget angepasst werden.“

Wie gemeldet, hatten Kultusminister Ludwig Spaenle, Vertreter der großen Parteien, der Direktoren-, Lehrer- und Elternvereinigung weitere Änderungen für das G8 vereinbart. So sollen für das kommende Schuljahr 250 neue Stellen für die mobile Lehrerreserve finanziert werden. Außerdem sollen die Lehrpläne ausgedünnt werden: In Geschichte soll das Mittelalter, in den Fremdsprachen der Literaturkanon gekürzt werden. Dafür wird in Mathematik und Deutsch die Stundenzahl erhöht. Für die Mittelstufe ist geplant, den Schülern ein freiwilliges Zusatzjahr zu ermöglichen – hierüber wird jedoch erst am 31. Juli im Ministerrat verhandelt. Wann genau das Zusatzjahr eingeführt werden soll, ist noch nicht bekannt.

„Wir haben offiziell noch keine Ahnung, was kommen soll“, sagt Gerhard Kraus, Direktor des Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasiums (WWG). „Aber wir sind es gewohnt, relativ rasch zu reagieren“, ergänzt seine Kollegin Elisabeth Götz vom MWG.

Manche der Korrekturen würden die Schulleiter vor eine große organisatorische Aufgabe stellen: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie das logistisch gehen soll“, sagt Schulleiter Franz Eisentraut vom Gymnasium Christian-Ernestinum (GCE) in Bezug auf die Zusatzjahre. „Wir können keine zusätzliche Klasse aufbauen – unsere Schule ist schlichtweg zu klein dafür.“

 *) Auch wenn Frau Lampel lange Jahre Elternbeiratsvorsitzende war, so hat sie inzwischen doch keine Kinder mehr am MWG und ist deshalb auch nicht mehr im EBR vertreten .
Das Graf-Münster-Gymnasium (GMG) hingegen hat räumlich mehr Spielraum. „Wenn die nötigen Ressourcen wie mehr Lehrer zur Verfügung stehen, ist das Zusatzjahr für uns durchaus möglich“, erklärt Schulleiter Kurt Leibold. Sein Kollege vom Richard-Wagner-Gymnasium, Horst Anclam, sieht bei den dafür benötigen Lehrerstellen das Problem: „Das ist natürlich auch eine finanzielle Frage: Das Personal müsste aufgestockt werden – aber ich befürchte, das wird nicht in dem nötigen Umfang geschehen. Das soll wahrscheinlich kostenneutral abgehandelt werden.“

Ein Zusatzjahr in der Mittelstufe bezeichnet der Vorsitzende des Jugendparlaments, Henry Schneider, als „absoluten Schwachsinn – zumindest in der Mittelstufe.“ In der Oberstufe mache ein freiwilliges Zusatzjahr mehr Sinn.

Über zeitliche Probleme, die kurzfristige Änderungen mit sich bringen würden, macht sich Schulleiter Leibold keine Sorgen: „Ich denke nicht, dass das Zusatzjahr so schnell kommen wird – das braucht Vorlauf und kann nicht so schnell umgesetzt werden.“

Bezüglich der geplanten Lehrplanstraffung ist Rektor Eisentraut skeptisch: „Im Lehrplan steht ja kein Gerümpel. Man muss aufpassen, dass weiterhin ein Unterschied zwischen Gymnasium und mittlerem Bildungsweg besteht – die Universitäten beklagen in den Naturwissenschaften jetzt schon das Niveau der Abiturienten.“

Der 18jährige Henry Schneider, der die elfte Klasse am GCE besucht, will auch nicht, dass an den Nebenfächern gespart wird: „Gerade Geschichte und Sozialkunde kommen viel zu kurz – da müsste inhaltlich sogar aufgestockt werden.“

RWG-Schulleiter Anclam glaubt hingegen, dass ein reduzierter Lehrplan notwendig ist: „Erst gestern haben unsere Geografielehrer gesagt, dass der Stoff der siebten Klasse kaum durchzubringen ist – sie finden eine Reduzierung angebracht.“

„Es sind einfach zu viele Fächer in zu kurzer Zeit“, bemängelt MWG-Schulleiterin Götz. „Wir entfernen uns immer mehr von einem runden Gesamtkonzept – aber gerade das brauchen wir.“

Text, normal gedruckt

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Nordbayerischen Kuriers

Öfter mal was Neues: G8 reloaded (Juli 2012):

Kein Zurück zum G9
Aber Korrekturen: Das achtjährige Gymnasium wird reformiert
Nordbayerischer Kurier — Samstag, 14. Juli 2012
Knapp vier Stunden haben sich die Kontrahenten in der Staatskanzlei gegenübergesessen – dann herrschte Einigkeit zwischen Politik, Lehrern, Eltern und Schülern: Das G8 bleibt – es gibt aber Korrekturen. Ein komplettes Zurück zum alten G9 wird es definitiv nicht geben.

Gymnasiasten sollen in der Mittelstufe bei Bedarf ein Jahr zusätzlich einlegen können – ohne dass dies als Wiederholen zählt. Das berichtete Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) nach dem Treffen.

Zudem sollen der Stoff „maßvoll“ reduziert und der Unterrichtsausfall effektiver bekämpft werden. In elf von 25 Fächern sollen die Lerninhalte eingedampft werden. Zudem sollen Blockseminare zur Förderung der Schüler angeboten werden können. Die Änderungen werden aber noch nicht zum kommenden Schuljahr greifen.

„Das bayerische Gymnasium in seiner achtjährigen Form hat sich bewährt. Es steht für Qualität. Es wird beibehalten“, sagte Spaenle am Freitagabend bei einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei.

Die Frage, wie die „zusätzliche Lernzeit“ von einem Jahr in der Mittelstufe ausgestaltet wird, soll im weiteren Gespräch zwischen Staatsregierung, Koalition, Eltern, Lehrern und Schülern geklärt werden. Eine weitere Spitzenrunde mit Ministerpräsident Horst Seehofer ist geplant. Bereits am 31. Juli will das Kabinett über die Details beraten.

Um den Unterrichtsausfall effektiver zu bekämpfen, sollen sofort 250 Lehrerstellen zusätzlich für die „Mobile Reserve“ bereitgestellt werden. Zudem gibt es einen Einstieg in die sogenannte integrierte Lehrerreserve an Schulen – also eine Art Personalpuffer.

Für Mathematik und Deutsch kann es in der Mittelstufe – je nach Entscheidung der einzelnen Schulen – mehr Zeit geben: eine Stunde mehr für Mathe in Jahrgangsstufe 8 und eine Stunde mehr für Deutsch in Jahrgangsstufe 10.

Dazu heißt es in dem Beschluss der Spitzenrunde: „Über Auswahl und Einsatz der Förderinstrumente entscheidet jede Schule vor Ort.“


Das G8 stand seit seiner Einführung zum Schuljahr 2004/2005 in der Kritik. Lehrer, Eltern und Schüler klagten über eine viel zu große Stofffülle. Befeuert wurde die Kritik zudem dadurch, dass die Durchfallquoten in den Abiturprüfungen im G8 merklich über denen im alten G9 liegen – zuletzt bei 3,7 Prozent.

Sowohl Lehrer- als auch Elternvertreter zeigten sich nach der Einigung am Freitag grundsätzlich zufrieden. Der Chef des Bayerischen Philologenverbandes, Max Schmidt, sagte: „Man kriegt nie alles, was man will.“ Man werde nun aber sehen, ob die Probleme mit der zusätzlichen „individuellen Lernzeit“ von einem Jahr gelöst werden könnten.

Die Vorsitzende der Landes-Eltern-Vereinigung, Susanne Arndt, zeigte sich zuversichtlich, dass man die Schüler, die man bisher „verloren“ habe, damit bei der Stange halten könne.

SPD-Landeschef Florian Pronold sprach dagegen lediglich von einem Schritt in die richtige Richtung. Denn die SPD und ihr Spitzenkandidat Christian Ude hätten eine Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 gefordert.

„Die Staatsregierung hat das erst abgelehnt, jetzt geht sie einen Schritt drauf zu, aber es ist nichts Halbes und nichts Ganzes – und man hätte einen konsequenten Schritt machen müssen“, sagte Pronold dem Bayerischen Rundfunk.

Die Landtags-SPD hatte für ein „Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten“ plädiert. Demnach sollten angehende Abiturienten künftig die Wahl haben, ob sie die Oberstufe in zwei oder drei Jahren absolvieren wollen. Das lehnte Spaenle aber ab, weil dies nicht mit den Regeln der Kultusministerkonferenz vereinbar sei.

Die Grünen nannten den Runden Tisch eine reine Showveranstaltung. Die Unzufriedenheit vieler Eltern, Schüler und Lehrer über das G8 lasse sich nicht „mit einem Gipfeltreffen bei Ministerpräsident Seehofer wegwischen“, erklärte der Schulexperte Thomas Gehring.

Die Freien Wähler warben für eine Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9. dpa


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Thema: Mittelschule
Realität beim Dialogforum sieht anders aus
Nordbayerischer Kurier — Freitag, 5. März 2010
Auf den Beitrag „Reden über Zweckehen“ (KURIER vom 24. Februar), in dem es um die neuen Mittelschulen geht, nimmt die stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Elternverbandes Bezug.

Beim Dialogforum zur Mittelschule sagte Dr. Peter Müller, das Kultusministerium wolle die Fehler, die bei der G8-Einführung passiert sind, nicht wiederholen. Man habe gelernt. Deshalb gebe es die Dialogforen, bei denen alle Betroffenen mitreden können. Das ist wunderbar: Die Praktiker werden gefragt. Das freut uns und ehrt uns.

Die Realität beim Dialogforum sieht allerdings ganz anders aus. Die Mittelschule und wie sie funktionieren soll – all das ist längst beschlossene Sache. Wir, auf deren Meinung angeblich so viel Wert gelegt wird, dürfen nur zu den Randbedingungen Fragen stellen, dürfen nichts Grundsätzliches diskutieren.

Gerade darauf aber kommt es an. Es gibt in Bayern zu viele Hauptschulen und zu wenige Kinder, die sie besuchen. Einige Hauptschulen müssen also geschlossen werden. Damit möchte sich die Staatsregierung allerdings nicht die Hände schmutzig machen, denn das würde Wählerstimmen kosten. Also sollen es die Bürgermeister und Landräte regeln.
Die Mittelschule ist ja, wie es heißt, absolut freiwillig, nur: Wer das angebliche Erfolgsmodell nicht nimmt, kann seine Hauptschule auch gleich zumachen. Und wer sich für die Mittelschule entscheidet, muss Kompromisse schließen. Sie bedeutet lange Schulwege und hohe Transportkosten, und eventuell muss das Schulhaus trotzdem über kurz oder lang geschlossen werden.

Da frage ich mich, warum wir nicht endlich eine richtige Schulreform in Angriff nehmen. Schon nach dem Krieg wurde den Bayern empfohlen, auf die frühe Selektion zu verzichten. Eine längere gemeinsame Schulzeit würde den Kindern eine wohnortnahe Schule garantieren, die Schulen würden im Dorf bleiben, und so manch ein Bürgermeister würde nicht auf den Schulden für die Schulhausrenovierung sitzen bleiben. Das würde auch dem ländlichen Gebiet gut tun, denn mal ehrlich: Wer zieht in einen Ort ohne Schule?

Aber wie sagt Dr. Müller so schön: Wir dürfen das alles selber entscheiden. Der schwarze Peter wird den Gemeinden und Landkreisen zugeschoben. Ja, da hat die Regierung wirklich aus dem Desaster um das G8 gelernt.

Leserbrief von Maria Lampl, Bayreuth


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Zwischen Ermahnung und Verweis
Konsequenzen der Schülerdemonstration – Viel Spielraum für die Entscheidungen der Schulleiter
Von Ulrike Sommerer
Nordbayerischer Kurier — Mittwoch, 03. März
2010
Auch wenn die Absicht eine gute war: Die Schülerdemonstration gegen die Belastungen der gymnasialen Oberstufe, die während der Unterrichtszeit stattfand, gilt als Verstoß gegen die allgemeine Schulpflicht. Jetzt haben die Schüler die Konsequenzen zu tragen. Wie unterschiedlich diese ausfallen können, zeigt das Beispiel der Kulmbacher Gymnasien.

Das Kultusministerium hatte schon im Vorfeld des Streiks verkündet: Ob und wie ein Schulleiter eine Teilnahme an der Demonstration ahnden will, bleibe in seinem Ermessen. Für Klaus Gagel, Schulleiter am Kulmbacher Caspar-Vischer-Gymnasium (CVG), war klar, dass er in diesem Fall Position beziehen muss, sagte er gestern dem KURIER. „Soll sich ein Schulleiter hinstellen und gar nichts machen?“, es gebe schließlich eine Schulordnung, die das Schulleben klar regle, und Fakt sei, dass ein Streik der Schüler nicht zulässig sei.
Gagel hat den Schülern der Q11 und der K12 nun einen Brief an die Eltern mit nach Hause gegeben, in dem Gagel darauf hinweist, dass sich eine große Zahl an Schülern über die Schulpflicht hinweggesetzt habe. Ein Verhalten, das Gagel nicht billigen könne und wolle. Jetzt werde geprüft, ob und in welchem Umfang der Unterrichtsausfall nachgeholt werden muss. Seine Reaktion sei „ein Stück weit dem Amt geschuldet“, sagt er, sieht sich in einem Spannungsfeld zwischen Ministerium, Eltern und Schülern. Gagel betont ausdrücklich, das Anliegen der Schüler zu verstehen. Doch einen Streik könne er nicht kommentarlos unterstützen.
Ähnlich sieht es sein Kulmbacher Kollege Hans-Werner Fischer, Schulleiter des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums. Dort hagelte es für die Teilnahme an der Demonstration in Bayreuth Verweise. Etwa 80 Verweise wurden im Nachgang zur Protestaktion der Schüler erteilt, sagt Fischer, bezeichnet das als formalen, völlig emotionslosen Akt.

Dem Vorschlag, ausgefallenen Unterricht am CVG nachzuholen, stehen viele Eltern positiv gegenüber, sagt Arnd Sesselmann, Elternbeiratsvorsitzender am CVG. Könne man die Zusatzstunden doch für politische Diskussion nutzen. Dass zumindest eine Ermahnung ausgesprochen wird, hält Sesselmann für die richtige Konsequenz, die die Schulleiter ziehen. Dass es diesen Brief geben wird, sei außerdem vorher bekannt gewesen.

An den Bayreuther Gymnasien gab es laut dem Sprecher der Bayreuther Direktoren, Dieter Funk, keine Konsequenzen aus der Demonstration.

Wenig Verweise
In Oberfranken hätten nur wenige Schulleiter ihren Schülern, die sich an der Demonstration beteiligt hatten, Verweise erteilt. Das sagt Dr. Edmund Neubauer, Ministerialbeauftrager für die Gymnasien in Oberfranken. An den meisten Schulen seien mit den Schülern „pädagogische Gespräche“ geführt worden. us


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Noten verbessert? Spaenle: Absurd
Minister weist BLLV-Behauptung scharf zurück
Von Elmar Schatz
Nordbayerischer Kurier — Montag, 1. März 2010

„An Absurdität nicht zu überbieten“ sei die Behauptung des Lehrerverbandes BLLV, das Kultusministerium hätte eine Geheim-Order gegeben, die G8-Schüler nicht schlechter abschneiden zu lassen als die G9-Schüler.

Das hat Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) gegenüber unserer Zeitung hervorgehoben. Hier handele es sich um völlig ungerechtfertigte Vorwürfe. Niemand glaube doch, dass es möglich wäre, alle 15000 Lehrerinnen und Lehrer an den bayerischen Gymnasien zu veranlassen, bessere Zensuren zu erteilen. Mit seiner Darstellung stelle der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) den Pädagogen ein denkbar schlechtes Zeugnis aus.

Spaenle hat am Samstag in Kloster Banz an einer Dialogkonferenz zum Thema Bildungsstandort Oberfranken mit regionalen CSU-Mandatsträgern teilgenommen.


Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Nordbayerischen Kuriers
Anschließend erläuterte er unserer Zeitung, mit den geplanten, eigenverantwortlichen Schulverbünden sei eine wohnortnahe Schulversorgung sicherzustellen. Ziel sei es, bestehende Schulen möglichst lange zu erhalten. In Dialogforen – Runden Tischen – auf der Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte werde erörtert, wie der jeweiligen Situation angepasste Schulstrukturen geschaffen werden könnten. Vor Ort sollen Entscheidungsträger und Betroffene beraten. Die Termine werden regional festgelegt. Mit dem für die Schulen zuständigen Regierungs-Vizepräsidenten als Moderator diskutieren dabei Landrat, politische Mandatsträger, Vertreter des Schulamtes, der Elternbeiräte sowie der Schulverwaltungen.

Der Kultusminister hob hervor, Oberfranken mit rund einer Million Einwohnern besitze eine sehr differenzierte Bildungslandschaft mit einem sehr guten Hochschulangebot. Bei den künftigen Mittelschulen im ländlichen Raum werde darauf geachtet, dass sie wohnortnah gut erreichbar seien.


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