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Damit die Ladezeiten nicht zu groß werden, sind die Meldungen und Nachrichten rund um's MWG und die MWGler zu Monatsdateien zusammengefaßt. Die Links sind chronologisch absteigend von links nach rechts sortiert. Es gibt auch eine komplette Link-Liste zu allen Beiträgen, die nicht mehr über die Eingangsseite erreichbar sind.
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Tatsächlich, ein goldener Klang
Nordbayerischer Kurier — Dienstag, 16. August 2016
Lateinlehrer saßen hoffentlich nicht im Publikum. Denn die könnten beim Namen Duo Aurata ins Schmunzeln oder gar ins Grübeln gekommen sein. Streng genommen lautet die Übersetzung nicht die „Goldenen zwei“, sondern „Duo Goldforelle“. Was uns – erst mal nirgendwo hinführte. Nein, denken wir lieber an glänzende Vorstellung, goldene Stimme.

Teresa Hoerl (Sopran) und Yvonne Grünwald am Akkordeon verfügen über immenses Können. Akkordeonistin Grünwald vertrat mit ihrer Band Elaiza im Jahr 2014 Deutschland beim Eurovision Song Contest – mit einem sogar gelungenen Lied. „Is it right“ war qualitativ eine positive Ausnahme, gemessen an der üblichen musikalischen Qualität dieses Wettbewerbs.

Zusammen mit Hoerl ist sie beim Duo Aurata allerdings in der klassischen Musik unterwegs, nicht im Pop. Die beiden sind sogenannte „Artists in Residence“ beim Festival junger Künstler.


Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Nordbayerischen Kuriers
Den würdigen Rahmen für ihren Liederabend bildete die Bayreuther Stadtkirche. Ein wenig viel Hall bringt die Akustik aber leider mit sich. So verlieren sich schnellere Akkordeon-Triller und Koloraturen mitunter ein wenig im Echo. Von solcherlei Details zeigen sich Hoerl und Grünwald jedoch unbeeindruckt – Teresa Hoerl lächelt sie einfach weg. Überhaupt lächelt die Kemnatherin den ganzen Abend über. Kein Wunder, ist Bayreuth ihr doch zweite Heimat. Zur Schule ging Hoerl nämlich am MWG. Auch strahlte die Jungsopranistin bei Schuberts „Ave Maria“ und bei „Sag, welch wunderbare Träume …“ von Richard Wagner, dem namensgebenden Stück des Abends. Mit den beiden Vivaldi-Stücken scheint Hoerl noch ein wenig zu hadern: Die Übergänge in die höheren Lagen geraten mal zu dünn, mal besonders kräftig, hier fehlt ihr die notwendige Stabilität. Nah bei sich ist sie mit einem Gruß in ihre Oberpfälzer Heimat: „Mariä Wiegenlied“ von Max Reger ist beim Duo Aurata ein Genuss. Da fließen die Akkordeonläufe und der Gesang ineinander und vereinigen sich zu einer wundervoll runden Harmonie – ein goldener Klang entsteht. Nach einer knappen Stunde ist die Soiree auch schon wieder vorbei. Schade: Man hätte den beiden gerne noch länger gelauscht. Wolfgang Karl

Zeitzeugengespräch mit Anne Hahn in der Bundesstiftung Aufarbeitung
Berlinfahrt der 10. Klassen
Von Helen Stoeßel, Praktikantin im Bereich Schulische Bildung der Bundesstiftung
http://www.zeitzeugenbuero.de — Freitag, 5. August 2016

Während der Berlinfahrt der 10. Klassen Ende Juli 2016 konnten sich die Schüler auch über Flucht und Ausreise aus der DDR, den Alltag und Widerstand in der Diktatur sowie die friedliche Revolution und die Deutsche Einheit informieren. Dazu namen sie teil am Projekt „Erinnerung ist Zukunft“, das die Deutsche Gesellschaft e.V. organisiert. Anfang August erschien dazu folgender Artikel im Zeitzeugenbüro:

99 ZehntklässlerInnen des Markgräfin-Wilhelmine Gymnasium Bayreuth sprachen mit Anne Hahn. Sie nahmen an einer von der Deutschen Gesellschaft e.V. im Rahmen der Reihe „Erinnerung ist Zukunft“ organisierten Begegnung teil.


Kindheit in der DDR
Anne Hahn überraschte die Jugendlichen mit ihren Erzählungen über ihre Schulzeit und Jugend in Magdeburg. Der Handgranatenweitwurf im Sportunterricht war aber für sie etwas ganz normales, das nicht hinterfragt wurde. Ihre Eltern sprachen nicht über solche Dinge, um sie nicht zu verunsichern. Als sie trotz ihrer hervorragenden Noten nicht zum Abitur zugelassen wurde, da sie kein Arbeiterkind war, empfand sie das als sehr ungerecht. Sie suchte nach einem individuellen Freiraum und fand ihn bei den Punks.

Eine gescheiterte Flucht
Aufgrund ihres Engagements in der Punk-Szene verlor Anne Hahn ihren Studienplatz der Kulturwissenschaft und wurde von der Stasi massiv unter Druck gesetzt. Sie sollte als IM (Inoffizieller Mitarbeiter) tätig werden.  Anne Hahn lehnte das ab, beriet mit ihren engsten Freunden ihre Möglichkeiten und entschloss sich, zu fliehen. Während einer Urlaubsreise nach Aserbaidschan, Teil der Sowjetunion, verließen sie und ein Freund das Resort und fuhren heimlich zur sowjetisch-iranischen Grenze. Sie durchbrachen mehrere Stacheldrahtzäune, lösten dabei aber das Alarmsignal aus. Die beiden wurden nach Moskau zurückgebracht, dort an die DDR überstellt und kamen in die MfS-Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen. Besonders interessiert waren die Schüler am Leben und den Hierarchien im Stasi-Gefängnis, in dem Anne Hahn auch den Mauerfall erlebte. Durch eine Amnestie für politische Gefangene kam sie frei – als Unruhestifterin wurde sie allerdings als letzte entlassen.

„Der Westen war mir zu viel, zu bunt“
Spannend war auch ihr Bericht über das Ankommen im Westen, dessen Reize Anne Hahn überwältigten. Sie nahm vieles als zu geordnet wahr. Sie empfand sogar die Wälder als zu ordentlich und vermisste die Freiheit des Ostens. Nachdem sie in Köln und Freiburg gelebt hatte, zog sie daher nach Berlin, das Ost und West vereinte. Dort studierte Anne Hahn Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik und ist heute Autorin und Subkulturforscherin. Über ihre Erfahrungen berichtet sie in dem autobiographischen Roman „Gegenüber von China“. Darin schildert sie auch die Aktenlage bei der Stasiunterlagenbehörde, die sie bei der Einsicht erwartete: Dort wird sie als Opfer bezeichnet, drei Ordner geben Einblick in die politische Haft. Und es gibt eine Akte, die sie als „IM-Vorlauf“ benennt – was es damit auf sich hat und warum die Wahrheit woanders liegt, berichtet sie als Zeitzeugin des Online-Portals www.zeitzeugenbuero.de seit 2011.

Nachdem sie in Köln und Freiburg gelebt hatte, zog sie daher nach Berlin, das Ost und West vereinte. Dort studierte Anne Hahn Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik und ist heute Autorin und Subkulturforscherin. Über ihre Erfahrungen berichtet sie in dem autobiographischen Roman „Gegenüber von China“. Darin schildert sie auch die Aktenlage bei der Stasiunterlagenbehörde, die sie bei der Einsicht erwartete: Dort wird sie als Opfer bezeichnet, drei Ordner geben Einblick in die politische Haft. Und es gibt eine Akte, die sie als „IM-Vorlauf“ benennt – was es damit auf sich hat und warum die Wahrheit woanders liegt, berichtet sie als Zeitzeugin des Online-Portals www.zeitzeugenbuero.de seit 2011.

DDR-Geschichte heute
Die Bayreuther Schüler zeigten sich sehr interessiert, stellten viele Fragen und verfügten über ein umfangreiches Wissen zur deutsch-deutschen Geschichte. An dem Gymnasium in Nordrhein-Westfahlen, in dem ich 2011 mein Abitur ablegte, wurde selbst im Leistungskurs Geschichte die deutsch-deutsche Geschichte nur wenig und kurz behandelt.  Viele meiner Freunde und Kommilitonen, die in Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zur Schule gingen, teilen diese Erfahrungen. Am Beispiel der Bayreuther Schüler aber sieht man, dass die DDR-Geschichte andernorts ausführlich und tiefgehend gelehrt wird.

Das fast zwei Stunden dauernde Gespräch war anregend und bot Bezüge zu aktuellen Themen. Auf die Frage eines Schülers, ob sie eine Art „Wirtschaftsflüchtling“ gewesen sei, betonte Anne Hahn, dass sie bei ihrer versuchten Flucht aus der DDR im Gegensatz zu den Flüchtlingen, die derzeit über das Mittelmeer zu uns kommen, weitaus weniger starke Gründe hatte. Bei diesem Zeitzeugengespräch habe ich nicht nur Geschichte erfahren, sondern durch die gegenwartsbezogenen Fragen auch erlebt, wie wertvoll und produktiv die Gespräche für unsere Gegenwart sein können. So regt die Beschäftigung mit der Vergangenheit zur Reflexion der eigenen Lebensumstände an.

Helen Stoeßel, Praktikantin im Bereich Schulische Bildung der Bundesstiftung

2016-08-05_Hahn-Gespraech_BStA-4 Wer's etwas genauer
sehen will:
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Die MWGler bei der Deutschen Gesellschaft e.V.
Foto:  http://www.zeitzeugenbuero.de


Link zur Originaldatei:
Zeitzeugengespräch MWG mit Anne Hahn, 27.08.2016



Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Zeitzeugenbüros

Musik am Main
Zu Besuch in den Unterkünften des Festivals junger Künstler in WWG und MWG
Von Christophe Braun
Nordbayerischer Kurier — Donnerstag, 4. August 2016

In dieser Wohngemeinschaft fängt man ebenso selbstverständlich Pokémon, wie man Opern einübt: Mehrere hundert junge Künstler kommen zurzeit im MWG und im WWG unter. Protokoll eines Besuchs in der größten und internationalsten WG der Stadt.

Drei Männer Anfang 20 – allesamt aufstrebende Musiker aus China – stehen vor dem Zentrum und tun etwas völlig Unseriöses. Sie jagen Pokémon. „Of course we do!“, sagt einer und grinst verschmitzt. Wäre ja noch schöner, wenn Interpreten klassischer Musik den ganzen Tag lang nur über Partituren schwitzen müssten! Im Gegenteil: „It’s fun!“ Schließlich muss man den Kopf auch mal freibekommen.

Zwischen Klassik und Karaokeabend
Die Pokémon-Jäger gehören zur großen Gruppe junger Musiker, die am Festival junger Künstler teilnehmen. Die meisten sind zurzeit in zwei Bayreuther Schulen untergebracht: im Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium und im Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium. Wer diesen Schulen heuer einen Besuch abstattet, erlebt eine internationale Riesenwohngemeinschaft. Mit allem, was dazugehört – sogar einem Karaokeabend.

„Unbedingt!“, sagt Emija Pusic lachend: „Ich hoffe so sehr, dass der Karaokeabend stattfindet!“ Pusic steht im Eingangsbereich des Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasiums, Notizblock in der Linken, Handy in der Rechten. Sie ist für die Unterbringung der Teilnehmer zuständig. Gut 250 Musiker aus aller Welt betreut sie.

Die 25jährige ist erstmals vor drei Jahren als Teilnehmerin des Festivals junger Künstler nach Bayreuth gekommen. „Das Festival hat mein Leben verändert“, sagt die Musikwissenschaftlerin aus Serbien. „Ich habe hier Leute kennengelernt, Kontakte in der ganzen Welt geknüpft.“ Mit ihrem Engagement beim Festival möchte sie auch beruflich vorankommen; ein Job im Musik- und Veranstaltungsmanagement ist ihr Ziel.

Die Musikwissenschaftlerin ist eine von vielen Ehrenamtlichen aus dem In- und Ausland, die das Festival junger Künstler möglich machen, indem sie sich um Unterkünfte, kulturelles Programm und Freizeitangebote, kleinere und größere Probleme kümmern.
Ein anderer ist Matthias Unger. Der Lokführer aus Bayreuth arbeitet im Nachtdienst im Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium. Die ganze Nacht stehen er und seine Kollegen den Festivalteilnehmern zur Verfügung. Ihre Hilfe reicht von Ausgehtipps in Bayreuth über Kopfschmerztabletten bis zur Verständigung eines Arztes. „Alles schon da gewesen“, sagt Unger, der seit sechs Jahren mitarbeitet. „Immer wieder müssen wir auch die Nachtruhe durchsetzen. Viele Musiker üben bis in die späten Abendstunden – aber nach 22 Uhr wird’s eng.“

Nebenan, in der Kantine des WWG, räumt Kevin Widmann Tische ab. Der 24-Jährige kümmert sich mit seinem Cateringservice ums Abendessen. Mittags beliefert die Küche der Bundespolizei die Teilnehmer; vormittags gibt’s Frühstück vom Bäcker. Alle Mahlzeiten werden in drei Varianten angeboten: Standard, vegetarisch und halal. Die Teilnehmer kommen unter anderem aus Turkmenistan, Thailand, der Ukraine, Italien, Syrien, Kasachstan, Mexiko und Italien – und haben unterschiedliche Anforderungen.

Monsterjäger im Orchestergraben
Ein paar Meter weiter, im großen Saal des Zentrums, spielen sich ein Dutzend junger Musiker im Orchestergraben ein. Unter Leitung des Komponisten Somto Sucharitkul üben sie „The Silent Prince“ ein, eine Oper über die Geschichte Bodhisattvas, bevor er zum Buddha wird. Die Musiker sind konzentriert, geredet wird wenig. Unter ihnen: die Pokémon-Jäger. Sie spielen mindestens so konzentriert, wie sie zuvor Monster gejagt haben.

Info: Noch bis Ende des Monats geben die jungen Künstler Konzerte in Bayreuth.

Siehe auch:
 www.youngartistsbayreuth.de



Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Nordbayerischen Kuriers

Gymnasien vor der Qual der Wahl
G8, G9 oder beides: Bayreuther Schulleiter fordern ein Modell, das vor allem den Schülern hilft
Von Jana Stammberger und Frank Schmälzle
Nordbayerischer Kurier — Mittwoch, 3. August 2016

Was tun mit dieser Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung? Ab dem Schuljahr 2018/19 haben die Gymnasien die Qual der Wahl: weiter mit dem achtstufigen Gymnasium, doch wieder ein neunstufiges oder beides parallel. Das hat Kultusminister Ludwig Spaenle am Dienstag bekanntgegeben. Für Direktoren an Bayreuther Gymnasien sind zu viele Fragen offen. Und sie sagen: Kinder brauchen Zeit.

G8 oder  G9? Für den Chef des Gymnasiums Christian-Ernestinum, Franz Eisentraut, ist die Lage noch zu unübersichtlich. Zum jetzigen Zeitpunkt stelle sich die Frage, wie es funktionieren soll, wenn sich ein Gymnasium für acht, das nächste für neun Klassen entscheidet. Ein Beispiel: die Stundentafel, die vorsieht, wie viele Stunden für ein Fach in einer Jahrgangsstufe vorgesehen werden. Soll die für alle Gymnasien gleich sein? Oder soll jede Schule ihre eigene Stundentafel entwerfen, weil Gymnasium eben nicht gleich Gymnasium ist? Nächste Frage: Sollen die Schüler während ihrer gesamten Zeit an einem Gymnasium mehr Zeit zum Lernen haben? Oder bleibt es bei dem Modell der Mittelstufe Plus, an dem sich das GCE mit 46 anderen Schulen in Bayern beteiligt und das den Schülern in der Mittelstufe ein Jahr mehr Zeit lässt? Seit einem Jahr läuft dieses Modellprojekt. 75 Prozent der Schüler am GCE, die zu Beginn des vergangenen Schuljahres in die achte Klasse kamen, hatten sich für die Mittelstufe Plus entschieden. In der achten Klasse, die mit Beginn des kommenden Schuljahres startet, sind es über 80 Prozent.

„Die Schüler nehmen die Wahlfreiheit in Anspruch.“ Und nicht nur die Schwächeren entscheiden sich für die längere Lernzeit. Die Effekte sind am GCE bereits sichtbar: „Wir haben in der Mittelstufe wieder einen Chor und eine Theatergruppe. Die Zufriedenheit der Schüler und Eltern mit der längeren Lernzeit ist groß.“ Das sei nicht nur an seiner Schule so, der Trend sei an allen 47 Modell-Gymnasien gleich. Trotzdem: „Ich sehe mich nicht als Befürworter des alten G9“, sagt Eisentraut. „Aufgabe ist es, eine Schule zu schaffen, die den vielfältigen Anforderungen an die Schüler gerecht wird.“ Dazu gehöre es, die Lernzeit wieder auszuweiten. Schüler bräuchten die Zeit, auch um persönlich zu reifen. „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“

Eher G9 als G8? „Wir fassen die neun Jahre ernsthaft ins Auge“, sagt die Schulleiterin des Richard-Wagner-Gymnasiums, Ursula Graf. Eine Entscheidung allerdings ist noch längst nicht gefallen. „Wir müssen abwarten, wie die Rahmenbedingungen aussehen.“ Die Stundentafel und der Lehrplan gehören dazu. „Erst wenn wir Klarheit haben, können wir planen.“ Das wird nach Angaben des bayerischen Kultusministers Ludwig Spaenle Ende 2016 oder Anfang 2017 der Fall sein. „Dann erarbeiten wir ein Konzept für unsere Schule“, sagt Graf. Dieses Konzept werde die Schwerpunkte des Richard-Wagner-Gymnasiums berücksichtigen. Das Gymnasium bietet einen wirtschaftswissenschaftlichen, einen sozialwissenschaftlichen und einen sprachlichen Zweig an.
G8 und G9 parallel an einem Gymnasium? Das wird nicht klappen, sagt der Direktor des Graf-Münster-Gymnasiums, Rolf Müller. Allein schon wegen der sinkenden Schülerzahlen. Und wegen der organisatorischen Probleme, vor die die Gymnasien damit gestellt würden. „Wir können kaum Parallelgruppen anbieten, die dann durch die Zweigwahl nochmals kleiner werden würden.“ Das Meinungsbild der Eltern tendiere deutlich zum G9. Und das werde Auswirkungen gerade in Bayreuth haben: Fünf Gymnasien gibt es in der Stadt. „Für die Eltern wird es ein Entscheidungskriterium sein, welches Gymnasium sich für welches Modell entscheidet. Wir Schulleiter verstehen uns zwar gut. Am Ende stehen wir aber auch in einer Konkurrenzsituation um die Schüler.“  Was Müller vorschlägt: zurück zum G9 und begabten Schülern das Überspringen einer Klasse erleichtern.

G9 auf dem Land – G8 in den Ballungsräumen? Auch die Schulleiterin des Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasiums, Elisabeth Götz, hält wenig von einem gemischten Angebot von G8 und G9 an  Gymnasien. Einheitlich sollte die Schulausbildung schon sein. Sie erwartet, dass sich bei einer Entscheidungsfreiheit die ländlichen Gymnasien überwiegend für eine längere Schulzeit aussprechen würden, während in Großstädten mit höheren Schülerzahlen und knappen Kapazitäten eher die G8-Variante zum Tragen kommen werde. Und wer entscheidet denn eigentlich die Frage, ob G8 und G9 parallel eingeführt werden? Auf jeden Fall nicht die, die es betrifft. Eine Entscheidung über die Bildungsmöglichkeiten künftiger Generationen sollte auch von diesen getroffen werden. Stattdessen wird die Debatte unnötig in die Länge gezogen, sagt Götz. Darum ihr Vorschlag: „In dieser Sache sollten sich jetzt Schüler, Eltern und Schulleiter vehement zu Wort melden.“

Info: Der Direktor des Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasiums, Dieter Sippel, war nicht für eine Stellungnahme erreichbar.



Kritik vom Elternverband

Maria Lampl, die Regionalbeauftragte des Bayerischen Elternverbandes (BEV), sagt: „Was Spaenle sagt, ist für mich ein Kurs, bei dem man sich als Regierungspartei nicht festlegen muss. Zu sagen ,Macht, was ihr wollt‘, ist nicht besonders zielführend.“ Lampl fehlen Forschungsergebnisse, auf die man sich stützen könne: „Ist das Abitur besser oder schlechter geworden? Welche Lehren ziehen wir aus der G8-Reform? Ob die Kinder ein Jahr früher mit dem Gymnasium fertig sind, bringt nichts. Viele von ihnen haben dann im Bachelor-Studium ihre Schwierigkeiten und brauchen im ersten Jahr mehr. Was ich vermisse: Ein klares Konzept, an dem sich die Schulen orientieren können. Was Spaenle da vorgetragen hat, ist wie ein Pudding, den man an die Wand nageln will.“ heim

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Nordbayerischen Kuriers

Neuer Streit ums Gymnasium
Geplante Wahlfreiheit zwischen G8 und G9: Kultusminister Spaenle lässt viele Fragen offen
Von unserem Korrespondenten Henry Stern
Nordbayerischer Kurier — Mittwoch, 3. August 2016
In Bayern sollen die Gymnasien ab dem Schuljahr 2018/2019 selbst entscheiden, ob sie den Weg zum Abitur in acht oder in neun Jahren anbieten wollen. So hat es Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Samstag verkündet. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) stellte nun weitere Details vor. Doch viele Fragen blieben offen. Die Direktoren der Bayreuther Gymnasien prognostizieren für ihre Schulen: Es werde meist auf G9 hinauslaufen.

Zwar soll es künftig bei den Schulen liegen, ob sie ein G8, ein G9 oder beide Varianten anbieten wollen, so Spaenle. Grundlage für alle Varianten bleibe der für das G8 erarbeitete Lehrplan Plus, der im Sommer 2017 eingeführt wird.

Für die G9-Variante werde es keinen eigenen Lehrplan geben, aber Richtlinien für die zeitliche Aufteilung des Lernstoffes. Alle Varianten des Gymnasiums sollen eine einheitliche zweijährige Oberstufe haben. Auch soll die mittlere Reife einheitlich nach der 10. Klasse verliehen werden. Ob das zusätzliche Schuljahr wie derzeit beim Modellversuch einer Mittelstufe Plus in der Mittelstufe eingefügt wird, oder eine Dehnung des Stoffes auch in der Unterstufe oder in der 11. Klasse stattfindet, ist noch offen. An der Einführung der zweiten Fremdsprache in der 6. Klasse werde laut Spaenle festgehalten.

Die Mittelstufe Plus soll an den 47 Modellschulen in Bayern wie geplant bis zum Sommer 2017 fortgeführt werden. Eine Übertragung des Modells auf alle Schulen sei aber nicht möglich: Alles für alle an jedem Standort ist nicht organisierbar und nicht bezahlbar, sagte Spaenle. Der Modellversuch sei aber nicht gescheitert: „Er hat uns vielmehr die Grundlage geliefert für den weiteren Weg“, beteuert der Minister.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Nordbayerischen Kuriers
Wie und wer genau in den Schulen entscheiden soll, welche Schulzeit gewählt wird, ließ Spaenle offen: „Wir werden alle Gruppen der Schulfamilie beteiligen. Und wir werden niemandem etwas überstülpen.“ Ein gewichtiges Wort könnten die Landkreise und kreisfreien Städte bekommen, die bei einer Erweiterung auf G9 etwa zusätzliche Räume bereitstellen müssten.

Wer entscheidet, wenn Schule, Eltern oder Kostenträger unterschiedlicher Auffassung über den weiteren Kurs sind, soll unter anderem bis zum Jahresende in einem Dialogverfahren geklärt werden. Ohnehin will sich Spaenle nicht drängen lassen: Bis Jahresende will er alle Detailfragen klären, bis Sommer 2017 soll der rechtliche Rahmen für das neue Gymnasium geschaffen werden: „Dann hätten die Gymnasien immer noch ein Jahr Zeit, um so eine Änderung in den Schulen ankommen zu lassen.“ Dass vor allem auf dem Land die gewünschte Schulzeit-Variante nicht in der Nähe verfügbar sein könnte, sieht Spaenle nicht als Problem: „Das ist eben eine Komponente mehr, die bei der Schulwahl zu berücksichtigen ist“, sagte er. Die Fahrtkosten zur gewünschten Schule trage der Staat.

Die Opposition reagierte kritisch: „Klar ist nur, dass beim Gymnasium gar nichts klar ist“, sagte der Grünen-MdL Thomas Gehring. Die versprochene Wahlfreiheit werde die flächendeckende Rückkehr zum G9 einleiten, das aber in der Zwangsjacke des G8 steckenbleibe, „nur weil die Landtags-CSU ihr Gesicht nicht verlieren will“, schimpfte der SPD-Bildungsexperte Martin Güll.

Der Freie Wähler Michael Piazolo wundert sich, dass die CSU-Staatsregierung nun gerade die Wahlfreiheit einführen will, die sie beim Freie-Wähler-Volksbegehren vor vier Jahren noch vehement bekämpft hatte.


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